von Heinz-Michael Kittler
Es ist schon etwas Besonderes, persönlich an der Gedenkstätte der Sozialisten zu stehen und vor den Gräbern von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg deren Kampf bis in den Tod zu ehren.
Und die anderen zehntausenden von Kondulanten geben Gewissheit, nicht allein zu sein- und die Kraft, unbeirrbar weiter für eine bessere Welt zu streiten. Einige Genossen unseres Kreisverbandes nahmen am 15. Januar diese Gelegenheit wahr und fuhren mit dem Bus nach Berlin zur Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde.
Bei herrlichem Wetter überraschte schon bei der vorgeschalteten störungsfreien Demo mit Internationalem Flair dass ganz überwiegend junge Leute daran teilnahmen, das hätten wir ehrlich gesagt, so nicht erwartet. Lange bevor wir die Gedenkstätte erreichten, kam uns schon ein breiter Strom von Menschen entgegen, die schon seit den frühen Morgenstunden den Ort besucht hatten. Dem Friedhof vorgelagert war eine regelrechte Infomeile, an der sich unzählige Gruppen, Verbände und Organisationen nationaler und internationaler Art präsentierten.
Kernaussage war bei allen die Parallelität der Verhältnisse damals wie heute. Während nach dem ersten Weltkrieg der deutsche Imperialismus im Desaster endete, und 27 Jahre später ein weiteres Mal, wurde einhellig die Meinung der Bundeskanzlerin bestritten, dass Deutschland heute der Wachstumsmotor von Europa sei. Vielmehr würde das Billiglohnland Deutschland seine Nachbarländer niederkonkurrieren und mit seinen gigantischen Exportüberschüssen, wovon die Hälfte in die EU gehe, andere Länder in die Verschuldung treiben und Europa erneut an den Rand des Abgrunds führen.
Gleichzeitig verträten deutsche Soldatenstiefel wieder weltweit "deutsche Interessen", deutsche Rüstungsbetriebe liefen auf Hochtouren und die gleichen Konzerne und Banken wie gehabt, würden ihren Blick über die Weltkarte schweifen lassen.
Bei den Liebknecht Zitaten: "Alles lernen, nichts vergessen" und "der Hauptfeind steht im eigenen Land" sollten diejenigen in sich gehen, die den Gedenktag des 15. Januar für eine rückwärts gerichtete Veranstaltung empfinden.