Laut Arbeitgeberpräsident Hundt sei die Bundesagentur für Arbeit für ihre Vermittlungstätigkeit heftig in die Kritik geraten. „Um Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt besser in Übereinstimmung zu bringen, müssen die Arbeitsagenturen und Jobcenter bei der Beratung und Vermittlung von Arbeitslosen besser werden“, sagte Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), am 02.08.2009 der „Welt am Sonntag“. „Viel zu häufig beklagen die Betriebe aber immer noch, dass die vorgeschlagenen Bewerber dem Stellenprofil nur unzureichend entsprechen.“
Dazu befragte DIE LINKE einen langjährigen Arbeitsvermittler der BA aus dem Kreis Segeberg: „Können Sie Hundts Aussagen bestätigen? Wie läuft das hier so?“ Antwort: “Am besten, ich schildere mal ein typisches Erstgespräch einer Stellenaufnahme:“
Anrufer: "Was krieg ich an Zuschuss, wenn ich einen von euch einstelle?"
Vermittler: "Eingliederungsbeihilfen werden nur gewährt, wenn Sie einen Bewerber mit Vermittlungshemmnissen akzeptieren, z.B wegen Langzeitarbeitslosigkeit, Qualifikationslücken, Behinderungen oder Alter."
Anrufer: "Achso, will ich nicht. Er muß willig, qualifiziert und topfit sein, nicht lange arbeitslos und möglichst unter 30. Und er darf keine zu hohen Forderungen stellen.
Gibt es denn nicht doch eine Möglichkeit für eine Förderung, wo ich doch was gegen die Arbeitslosigkeit tue?"
Vermittler: "Leider nicht. Was benötigen Sie denn überhaupt?"
Anrufer: "Einen Maurer."
Vermittler: "Und was speziell soll er können?"
Anrufer: "Äh, berufsübliche Kenntnisse, also mauern."
Vermittler: "Ich empfehle eine gezielte Suche: Soll Ihr Wunschkandidat zügig im Akkord Wände hochziehen können, soll er Bogen beherrschen oder sauberes Verblendmauerwerk, oder soll er auch Erfahrung mit Fundamenten und Schächten haben, muß er bestimmte Maschinen oder Fahrzeuge bedienen können? Unser Suchsystem ermöglicht auch eine quotierte Rangfolge dieser Tätigkeiten. Über welche Qualifikationen verfügt denn Ihr bisheriges Personal und welche Aufträge sind bei Ihnen üblich?"
Anrufer: "Oh, das hab ich mir noch gar nicht genau überlegt."
Meist folgen weitere Gespräche oder Firmenbesuche, bis das Stellenprofil endgültig steht, dem Arbeitgeber zur Bestätigung vorgelegt wird und das Matching beginnt. Anschließend muß aber ständig nachgefragt werden, ob die Stelle besetzt ist oder nicht, Rückmeldungen kommen leider meistens nicht. Die Arbeitsweise ist durch bundesweite Handlungsprogramme synchronisiert.
Hundt bedient lediglich Vorurteile von vor 30 Jahren, die damals schon falsch waren, um von der unsozialen Arbeitgeber-Verbandspolitik abzulenken.
Sein Ziel: Demontage der Arbeitslosenversicherung um der Unternehmerwillkür Tür und Tor zu öffnen.