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Vom Pastor zum Kriegsverbrecher

DIE LINKE besuchte Buchvorstellung in Kaltenkirchener Michaeliskirche

Ernst Emil Heinrich Biberstein war evangelischer Pastor, Mitglied der NSDAP, SS-Obersturmbannführer, und Chef des Einsatzkommandos 6 in Rostow, Ukraine.

Am 30.10.2009 war eine Bankreihe der Michaeliskirche zu Kaltenkirchen komplett mit Genossen u.a. der Kreistagsfraktion, des Kreisvorstandes und des Norderstedter Stadtrates besetzt. Die ev. Kirche hatte geladen, um dunkle Flecken ihrer Geschichte aufzuarbeiten. Die sehr beeindruckende Veranstaltung gedachte den Tausenden von Opfern des Kaltenkirchener Pastors Ernst Szymanowski-Biberstein, sowie den damit zusammenhängenden Ereignissen vor, während - und nach dessen Mordtaten.

Neben den Beiträgen von Probst Stefan Block, Probst i.R. Johannes Jürgensen und des Kirchenhistorikers Dr.Stephan Linck, spendete Dr. h.c. Hoch den zentralen Vortrag. Wir kennen und schätzen Herrn Dr. Gerhard Hoch und seine Arbeiten, mit denen er seit langem die Aufklärung der Regionalgeschichte um die NS-Zeit trotz öffentlichen Widerständen wegweisend vorangetrieben hat. Sein neuestes Werk: „Spuren eines Kaltenkirchener Pastors“ Wachholz Verlag, ist neben seinen anderen Veröffentlichungen bei der Bücherei Fieland, Kaltenkirchen erhältlich.

Die national-faschistischen Tendenzen, verbunden mit starkem Antisemitismus in Schleswig-Holstein reichten lange vor 1933 zurück und wurden durch Teile der Bauern-  und Beamtenschaft und der ev. Kirche geprägt. Bereits in den 20 Jahren wurde aus diesen Gruppen der neuen NS-Partei massenhaft beigetreten. Vor diesem Hintergrund war Ernst Szymanowski-Biberstein von 1927 bis 1933 Pastor in Kaltenkirchen. Schon während dieser Zeit trat er, stets die SA Uniform unter dem Talar, als Parteifunktionär der NSDAP hervor. Nach weiteren kirchlichen Funktionen, u.a. als Probst in Neumünster und Bad Segeberg sowie Tätigkeiten für das Reichskirchenministerium, stellte Szymanowski sich später im Rang eines

SS-Sturmbannführers in den Dienst der Gestapo und wurde dann Chef der Einsatzgruppe VI in der Ukraine. Unter seinem Kommando wurden Tausende jüdischer Menschen ermordet. In Nürnberg wurde er zum Tode verurteilt, das Urteil später jedoch in lebenslange Haft umgewandelt. Durch Vermittlung der schleswig-holsteinischen evangelischen Kirche, bzw. des damaligen Neumünsteraner Probstes, selbst ehemaliger SS-Angehöriger, wurde Szymanowski 1958 wieder freigelassen und fand Beschäftigung beim Kirchenkreis Neumünster.

Unsere Genossen dankten tief ergriffen der Michaeliskirche, insbesondere Frau Pastorin Martina Dittkrist, Herrn Pastor Martin Goetz-Schuimann und Frau Gabriele Kaune für die mit beeindruckendem Rahmenprogramm ausgestattete Veranstaltung.

Wir nahmen mit, dass Faschismus nicht irgendwo stattfand, sondern auch und gerade vor der eigenen Haustür. Er war auch keine 12 jährige Episode, sondern hat tief verwurzelt in unserer Gesellschaft, eine lange Vor- und Nachwirkung die noch nicht vorbei ist. Unser Dank gilt allen, die sich mit uns dagegen zur Wehr setzen.