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Integrierte Gemeinschaftsschule statt Regionalschule

Am 18. März 2008 fand im Rathaus Norderstedt eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Integrierte Gemeinschaftsschule statt Regionalschule" statt.

Als Referenten standen Heiko Winckel-Rienhoff, Grund- und Hauptschullehrer, im Kreisvorstand der GEW Stormarn und politischer Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bildung bei der LINKEN sowie Volker Murawski, Sonderschullehrer, im Kreisvorstand der GEW Rendsburg-Eckernförde und Mitglied im Kreisvorstand Segeberg der LINKEN, zur Verfügung. Fragen aus der Stadt Norderstedt konnten von Miro Berbig, Sprecher des Ortsverbandes Norderstadt der LINKEN, beantwortet werden. 


Das bisherige dreigliedrige Schulsystem beruht auf einer Falschannahme

Es beruht auf der Annahme, dass es unterschiedlich begabte Kinder gibt, die man voneinander trennen und in unterschiedlichen Lern-Schichten und -Schulen erziehen und organisieren muss.  Deutschland ist, neben Österreich, das einzige Land in der Europäischen Union, in dem Schülerinnen und Schüler sehr früh auf verschiedene Schularten verteilt werden.

(v.l.n.r. Volker Murawski, Heiko Winckel-Rienhoff, Miro Berbig)

Sowohl die besonders “guten” als auch die besonders “schlechten” Schülerinnen und Schüler fallen dem zum Opfer, da sie zu wenig individuell gefördert und gefordert werden.

Der jeweils erreichte Schulabschluss auf der Volkschule, Realschule oder dem Gymnasium schließt bestimmte Berufschancen von vornherein aus.

Das wiederum bringt Kinder und Eltern in einen verzweifelten Konkurrenz- und Abwehrkampf um die begehrten “höheren”  Abschlussplätze, wobei sich natürliche Lernfreude und Kreativität kaum entwickeln können.

Statt effektiv für's Leben lernen zu können, wird die Schule für alle Beteiligten - gleichermaßen für Kindern, Eltern und Lehrer - zu Belastung und Stress. Ärzte stellen fest:  Das Lernsystem macht zunehmend krank.

Die integrierte Gemeinschaftsschule fördert individuelle Begabungen und Fähigkeiten

Diese Schulart geht grundsätzlich davon aus, dass alle Schülerinnen und Schüler individuell sehr unterschiedliche Lernbegabungen mitbringen.  Leistungsstärke und Leistungsschwäche sind veränderliche Merkmale und können keinesfalls bestimmten Schülerinnen und Schülern auf Dauer und in allen Lern-und Verhaltensbereichen zugeordnet werden. Die persönlichen Stärken und Schwächen jeder/s Einzelnen werden im integrierten und gleichzeitig differenzierten Unterricht  berücksichtigt und gefördert.

Niemand wird aussortiert, ausgesondert oder weggeschickt. Keiner muß sitzen bleiben. Wenn Schülerinnen und Schüler mit ihren unterschiedlichen Talenten, Fähigkeiten und Erfahrungen in unterschiedlichen Fächern miteinander lernen dürfen, profitieren sowohl die Leistungsschwächeren als auch die Leistungsstärkeren  davon. Gleiche Abschlusschancen für alle SchülerInnen mindern den erbitterten Konkurrenzkampf und  schaffen gleichermaßen für Lernende und Lehrende eine stressfreie und lernmotovierte  Atmosphäre.

Dass eine gemeinsame “Schule für alle” effizienter als die angebliche “Eliteschule Gymnasium” ist, beweist der integrierte Untericht in Finnland, wo laut PISA-Studie 2000 18,5 % der 15 jährigen, in Deutschland aber nur 8,8 % die höchste  Lesekompetenzstufe erreichen.

Bildung unabhängig von der sozialen Herkunft und Behinderung

Die PISA- und OECD-Bildungsstudien haben  gezeigt, dass gerade in Deutschland wie in kaum einem anderen Land ein negatives Abhängigkeitsverhältnis zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg besteht. Wer wenig besitzt oder gar arm ist, geht auch bei der Bildung leer aus und hat im persönlichen , sozialen und beruflichen Leben die schlechteren Karten.

Auch das in Deutschland immer noch existierende Sonderschulsystem, in dem Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen von klein auf isoliert werden, steht in krassem Widerspruch zum Ziel der Chancengleichheit.   Dieses System  verhindert in unverantwortlicher Weise, dass von Kind an soziale Kompetenzen erlernt und zwischen ihnen ein sozialer Ausgleich geschaffen werden kann.

Regionalschule - Weg in die Sackgasse!

CDU und SPD haben am 24. Januar 2007 das neue schleswig-holsteinische Schulgesetz verabschiedet. Neben den Gemeinschaftsschulen sollen bis 2010 Haupt- und Realschulen in Regionalschulen oder Gemeinschaftsschulen überführt werden. Das Aussortieren der Kinder geht weiter. Die Fusion von Haupt- und Realschulen mindert nun auch die beruflichen Erfolgsaussichten der RealschülerInnen. Eltern  befürchten zu recht, dass die Regionalschule zu einer  Restschule wird.

Grafiken mit genehmigten Gemeinschafts- und Regionalschulen (zum vergößern bitte anklicken)


Aus unserem Wahlprogramm für Norderstedt:

“Wir, die Partei DIE LINKE, fordern eine klare Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem. Insbesondere Kinder aus weniger begüterten Familien werden durch dieses Schulsystem von höheren Bildungsabschlüssen ferngehalten.

Wir fordern eine Schule für alle, in der Kinder individuell gefördert und nicht aussortiert werden. Alle Kinder sollen bis zur 10. Klasse gemeinsam lernen und dabei voneinander profitieren.

Die bauliche und technische Ausstattung der Schulen muß auf den Stand der Technik gebracht werden. Schulen ohne ausreichende Computer und mit maroden Turnhallen sind eine Schande für Norderstedt. Schulen und Schwimmbäder müssen behindertengerecht gestaltet werden. Weiter fordern wir Lehrmittelfreiheit, sowie kostenlose, gesunde Verpflegung in den staatlichen Bildungseinrichtungen und den Kindertagesstätten.”